Kolberg

Eine alte Autofähre stellt die Basis für das Hausboot dar. In dem Entwurf wird der Begriff der Immobilie als konventionellen Standard in einer von Mobilität geprägten Zeit infrage gestellt. Die Kolberg vereinbart die gegensätzlichen Bedürfnisse von Freiheit und Ankommen in einem mobilen Wohnkonzept – dem Hausboot. So entsteht die Idee einer „Mobilie“ – einer permanenten und trotzdem gleichzeitig mobilen Wohnmöglichkeit, die nicht an den Besitz von Grund und Boden gekoppelt ist. Das Wohnkonzept gibt dem Bewohner die Möglichkeit, sich ein Nest zu bauen, sesshaft zu werden und sich trotzdem weitestgehend ungebunden und frei zu fühlen.

Da lediglich die Frachtfläche auf der Mittelschneise bebaut wurde, spielt sich der Wohnkomplex optisch frei von den seitlichen Wandscheiben der Fähre. Die Wohnarchitektur ist in Funktion und Bauweise ein Kontrast zum industriell-funktionalen Charakter der Fähre. Der Bestand bleibt weitestgehend erhalten und wird im Neubau erlebbar gemacht.

Großzügige Freiflächen in der Fassade öffnen den langen, schmalen Innenraum nach außen. Die Sicht heraus aus den Glasflächen fällt zunächst auf die Fähre, so dass deren Wandflächen eine gewisse Begrenzung darstellen und ihre Fenster und Konturen eine Rahmung für den Blick aufs Wasser bilden. Es existiert also keine starre zweidimensionale Wand zwischen Innen und Außen, sondern eine in Ebenen aufgespaltete Trennung.

Die gänzliche innenräumliche Offenheit in einem Teil vom Hausboot wird ergänzt durch eine entschieden umgesetzte Geschlossenheit im anderen Teil, um das Bedürfnis nach Rückzug in gleichem Maße zu befriedigen, wie die Möglichkeit der Entfaltung zu gewährleisten.

 

Projekt | Hausboot, Konzept, Architektur, Innenraumgestaltung, Möbeldesign

Design | 2015